Archiv Sendung vom 23.11.2009
Die letzten Knechte der Schweiz
Aus dem Leben von Blunier, Paul und Franz
Sie haben viel geschuftet, wenig verdient und wurden im Alter häufig vom Hof gejagt : Knechte und Mägde in der Schweiz. Ohne sie hätte die Landwirtschaft früher kaum existieren können, heute gehören sie zu einer aussterbenden Berufsgruppe. Der Film erzählt berührende Geschichten von ehemaligen Knechten und Mägden, von den wenigen, die es noch gibt.
Für so einen hielt das Leben nicht viel bereit
Wiederholungen:
24. November 2009 um ca. 04.40 Uhr auf SF1
30. November 2009 um ca. 11.00 Uhr auf SF1
Hansruedi Blunier ist 76 Jahre alt. Als Kleinkind wurde er seiner ledigen Mutter weggenommen, kam in ein Heim bis er schliesslich mit acht Jahren als Verdingbub zu einem Bauer auf den Hof kam. Eine Ausbildung war für ihn nicht vorgesehen. Für so einen hielt das Leben nicht viel bereit. Aus ‚so einem‘ wurde ein Knecht. Immerhin hatte er Glück mit der Bauernfamilie und wurde anständig behandelt. Das war damals nicht selbstverständlich.
Offiziell Pflegekinder
Das Schicksal von Hansruedi Blunier ist eines von vielen. Die Landwirtschaft war angewiesen auf billige Arbeitskräfte. Verdingkinder waren besonders begehrt, denn offiziell galten sie als Pflegekinder, für die der Staat zahlte. Die Bauernfamilie erhielt so nicht nur eine zusätzliche Arbeitskraft sondern auch einen finanziellen Zustupf. Wie viele Verdingkinder so eingesetzt wurden, weiss heute niemand. Genaue Zahlen fehlen.
Ohne Knechte und Mägde ging es nicht
Die Geschichte der Knechte und Mägde in der Schweiz ist wenig erforscht. Ohne sie hätte die Landwirtschaft jedoch kaum funktioniert, auf praktisch jedem grösseren Hof wurde ein Knecht oder eine Magd beschäftigt. Die Handarbeit hatte einen hohen Stellenwert, Maschinen waren teuer und für den durchschnittlichen Bauernbetrieb unerschwinglich. Erst nach dem 2. Weltkrieg änderte sich dies rasant. Die Industrialisierung machte auch vor der Landwirtschaft nicht Halt. Fabriken und Bauunternehmen rekrutierten ihre Angestellten aus der Landwirtschaft; die Bauern selber konnten sich neu Maschinen leisten und waren immer weniger auf Knechte und Mägde angewiesen. Der landwirtschaftliche Facharbeiter gewann an Bedeutung. Die Zeit der Mägde und der Knechte, der Melker und Karrer war vorbei.
Gering geschätzt
Der Film erzählt die Geschichte von den wenigen, die trotz allem der Landwirtschaft treu geblieben sind. Knechte und Mägde, die das Kulturland Schweiz gehegt und gepflegt haben, ohne je die Anerkennung zu finden, die sie verdient hätten.
Autorin und Kameramann
Eveline Falk ist Redaktorin der Rundschau und macht gelegentlich DOK-Filme. Sie arbeitet seit 1994 beim Schweizer Fernsehen.
Andreas Baumberger hat eine eigene Film-Produktionsfirma. Fürs Schweizer Fernsehen hat er schon einige DOK-Filme realisiert.
Die beiden haben zusammen schon diverse Filme realisiert z.B. den DOK-Film 'Gesucht: Glückliche Paare'.










