Archiv Sendung vom 17.08.2012

Johann Dähler hat sein halbes Leben in der Elfenbeinküste verbracht und kennt das Land und seine Leute genau. (SRF)
DOK am Freitag, 17.08.2012, 20:05 Uhr auf SF1
Der Triumph des Ananaskönigs
Johann Dählers Ruin und Rettung
Ein Film von Alain Godet
Johann Dähler, der Thurgauer Bauernsohn, hat alle Höhen und Tiefen durchlebt: 1972 wollte er - kurz nach der RS – seine Abenteuerlust in Afrika stillen. Zwanzig Jahre später hatte er es zum Ananaskönig, zum grössten Plantagenbesitzer in der afrikanischen Elfenbeinküste gebracht. Aber dann verlor Dähler über Nacht alles. Mittellos kehrte er mit seiner Familie in die Schweiz zurück und schaffte zusammen mit seinen Söhnen das Unmögliche: das Comeback als Plantagenbesitzer, diesmal in Costa Rica. - Dähler hatte es allen nochmals bewiesen! Aber das genügte ihm nicht.
Der Ananaskönig konnte Afrika nie vergessen und sein Scheitern vor zehn Jahren nagte an ihm. Aber Dähler wäre nicht Dähler, wenn er nicht noch einen geheimen Plan gehabt hätte, um seine verlorenen Besitztümer zurückzuerobern.
Eigentlich hätte Dähler als der älteste von zehn Geschwistern den elterlichen Bauernbetrieb übernehmen können, aber der junge Johann wollte selber etwas aufbauen.
Als Zwanzigjähriger wanderte er nach Westafrika aus, wurde zum grössten Ananaspflanzer der Elfenbeinküste. 1500 Einheimische arbeiteten als Taglöhner auf seinen Plantagen. Aus dem Nichts hatte Dähler sein 20’000 Hektaren grosses Lebenswerk geschaffen.
Eine helvetische Erfolgsstory also? Nicht ganz: Ende der 90er Jahre litt Dähler zunehmend unter der Konkurrenz durch die grossen Multis wie Del Monte oder Chiquita. Nach fetten Jahren mit Millionengewinnen befand er sich nur noch in der Verlustzone.
1997 spitzte sich die Krise dramatisch zu. Dähler konnte seine Lieferanten für Karton und Düngemittel nicht mehr bezahlen, die Arbeiter blieben ohne Lohn. Bei Ausbruch der blutigen Rebellion im Dezember 1999 musste er mit seiner Familie die Elfenbeinküste fluchtartig verlassen.
In der Schweiz versuchte Dähler fieberhaft, mit Ananas-Importen seine Familie zu ernähren: der stolze Patron von einst hatte alles verloren. Mit der Zeit aber liefen seine Geschäfte immer besser. Verbissen arbeitete Dähler daran, wieder selber eine Plantage zu besitzen und fand in Costa Rica geeignetes Land. Sein ältester Sohn Jan - damals kaum über zwanzig – schaut seitdem mit seinen zwei Brüdern dort zum Betrieb.
Dähler hatte sich und der Welt bewiesen, dass er sein Metier immer noch beherrschte.
Die Schmach des erlittenen Konkurses in Afrika jedoch konnte Dähler nicht verwinden.
2009 erlitt er einen Herzinfarkt und musste operiert werden. Als seine Arbeiter in Afrika davon hörten, sammelten sie Geld, um eine Messe zum Heil ihres einstigen Patrons lesen zu lassen. Sie hatten die Hoffnung nie verloren, dass Dähler zurückkommt und alles wieder gut wird. Dann versagten auch seine Nieren. Im Mai 2010 spendete ihm seine Ehefrau Jolanda eine Niere.
Wieder gesund, wollte es Dähler nach über zehn Jahren wagen und 2010 seine ehemaligen Arbeiter und Angestellten in der Elfenbeinküste besuchen.
Es wurde eine schwierige Reise: die gepflegten Plantagen von einst waren inzwischen völlig überwuchert, die Farmervilla, wo er seine Kinder gross gezogen hatte, verwahrlost. Da fasste Dähler den Entschluss, seinen Besitz zurückzuerobern und anstatt Ananas inskünftig Gummibäume anzupflanzen.
Es war ein schwieriges Unterfangen, das Land dem ivorischen Staat abzukaufen, aber der schlaue und mit den afrikanischen Gepflogenheiten vertraute Dähler schaffte das Unmögliche: im Juli 2012 unterschrieb der Finanzminister persönlich den Vertrag.
Johann Dähler, geboren auf dem Eggishof in Fruthwilen, hatte es allen noch einmal gezeigt.
Der Autor
Geboren 19.12.1951 in Zofingen. 1972-82 Studium der Ethnologie, Geschichte, Theologie und Philosophie in Basel und Frankfurt a. Main.
Lizentiat in Ethnologie über anarchische Stammesformen in Westafrika, Dissertation über die magische Potenz der Einbildungskraft. Ausstellungen für die Universitätsbibliothek Basel. Forschungsarbeit und Publikationen auf dem Gebiet der Hexerei und des Rosenkreuzertums.
1984-1990 Live-Regisseur bei SFDRS. Ab 1990 Beginn eigener dokumentarischer Arbeiten, zumeist über soziale Themen, Musik und Kunst, die von der Haltung getragen sind, das Gegenüber zuallererst zu verstehen, Widersprüche und Schattenaspekte zusammen mit diesem Du herauszuarbeiten. - Der Autor versteht sich als "romancier du réel". Sein Leitmotiv sind die Worte von Pina Bausch:«Ich liebe Menschen... Ich liebe jeden einzelnen. Ich gucke den auch gerne an. Ich bin interessiert. Ich versuche zu verstehen, was in dieser Person für Gefühle sind. Warum sie sich so äussert. In welcher Not sie das tut.»
Das Team
Kamera: Alain Godet, Emil Fischhaber
Ton: Roland Arngrip
Schnitt: Felix Hulliger
Produktionsassistenz: Monika Zingg
Redaktion: NathalieRufer
Leitung: Marius Born





