Die Geschichte von «Herzklopfen»
Wer über die Liebe spricht, spricht übers Leben
Autor Pino Aschwanden erzählt die Geschichte von «Herzklopfen»
«Herzklopfen» liegt mir seit langem am Herzen.
Alle meine Filme handeln vom Alltag. Und der ist selten alltäglich. Ob es sich um Geld, Gott, Glück, Sex, Job, Ruhm oder um den Körper, die Deutschen, den Landarzt oder Handaufleger dreht: Meist geht es um Ungewöhnliches, das uns gewöhnlichen Menschen passiert.
Liebe ist auch so ein Alltagsthema. Voller Unalltäglichkeit. Voller Fallstricke und Unwägbarkeiten. Also gut für Geschichten. Mein erster DOK hiess «Schöner lieben» (1996). Im «MittagsMagazin» (2002) fertigte ich erste Porträts von sehnsüchtigen Singles an. Und vor zwei Jahren drehte ich:«Witwe (84) sucht treuen Freund» und «Witwer (82) sucht zärtliche Freundin» zwei «Reporter» in denen ältere Menschen von der Liebe träumen. Beide Folgen liefen gut. Der Weg für«Herzklopfen» war geebnet.
Ein Aufruf und seine Folgen
Eigentlich war für Ende 2010 eine Serie über die Begehung der «Haute Route» geplant. Wegen Wetterpech wurde der Dreh, der im Frühsommer hätte stattfinden sollen, abgesagt. Drei Termine wurden frei, und ich erhielt die Chance, «Herzklopfen» zu produzieren.
Ein Aufruf am Schweizer Fernsehen und auf dem Internetportal «Swissfriends» mobilisierte im Juni weit über 100 Singles. Zu vergeben waren allerdings nur knapp 20 Plätze.
Meine Kolleginnen Christa Gall und Denise Langenegger führten lange Vorgespräche mit den Bewerbenden. Ich verzichtete darauf, da ich später mit unverbrauchter Neugier auf die Menschen zugehen wollte.
Rund 50 Personen der engeren Wahl haben Christa Gall und ich dann doch kurz in Augenschein genommen. Aus ihnen stellten wir die Kandidaten zusammen: zehn Frauen, neun Männer.
«Warum kann man Sie gern haben?»
Zwischen September und Oktober fanden die Dreharbeiten statt, vom Waadtländer Jura bis nach Graubünden. Die Singles mussten sich «verpflichten», bis Weihnacht keine Beziehung einzugehen, zur Strafe hätten sie die Sendung zu zweit schauen müssen. Die Gespräche mit den Kandidaten waren immer wieder sehr berührend. Manchmal flossen Tränen. Fragen wie «Warum kann man Sie gern haben?», «Was hat ein Partner davon, mit Ihnen zusammen zu sein?» oder «Wann haben Sie letztmals jemandem gesagt: Ich hab‘ dich gern?» brachten manche ins Grübeln. Spricht man über die Liebe, spricht man über das Leben, über Unerfülltes, über Sehnsüchte, Enttäuschungen, Missverständnisse, Glücksmomente.
Als Trenner zwischen den jeweiligen Partnersuchenden reden 12- bis 16-jährige Jugendliche, die wir in Engelberg, Spiringen, Frauenfeld und Schaffhausen filmten, über die Liebe. Es ist eindrücklich und verblüffend, was Junge am Anfang ihres Liebeslebens darüber sagen.
Gedreht habe ich mit Sergio Cassini und Sascha Felix, zwei bildstarken Kameramännern, mit denen ich oft und gerne zusammenarbeite. Susanne Arnold, Studentin mit reicher Produktionserfahrung (SF Spezial «Fernweh») - und wie ich aus dem Kanton Uri -, hat assistiert.
Ein Besuch bei den Singles dauerte jeweils ca. vier Stunden, dazu gehörte ein halbstündiges, persönliches Gespräch über Leben und Lieben, das Filmen von zwei, drei Tätigkeiten sowie das Festhalten von Wohnungsdetails. Die Einrichtung, zeigt die Erfahrung, liefert oft sachdienliche Hinweise auf das Seelenleben des Bewohners.
19 Personen suchen das Herzklopfen der Liebe
Nach vier Wochen Schnitt mit meinem langjährigen Video Editor Daniel Stössel waren 120 erhellende und unterhaltsame Minuten zum Thema Liebesfreud & Liebesleid fertig, gestaltet in 19 Porträts von Singles zwischen 25 und 68 Jahren. Wir haben uns dabei inspirieren lassen von der österreichischen Dokumentarfilmerin Elizabeth T. Spira, die die Menschen nüchtern in ihrer Umgebung filmt. Spira, ich geb‘s freimütig zu, ist meine televisionäre Säulenheilige, die hinreissend ehrliche Filme über den Alltag ihrer Landsleute dreht.
Zum Schluss noch dies: «Herzklopfen» soll natürlich jenen Menschen, die die Suche nach Liebe noch nicht aufgegeben haben, zu ihrem Wunschpartner verhelfen. Darüber hinaus soll «Herzklopfen» aber auch lebensgesättigte Geschichten erzählen und Einblick in an-, auf- und erregende Lebens- und Liebesläufe von Mitmenschen geben. So, dass wir uns vielleicht in dieser oder jener Facette der Geschichten wiedererkennen können.














