Archiv Sendung vom 11.08.2009
Der Dalai Lama - Auseinandersetzung mit einem Phänomen
Das spirituelle Oberhaupt der Tibeter hat in Lausanne Tausende in seinen Bann gezogen. Weshalb sich immer mehr Menschen im Westen dem Buddhismus zuwenden, wie der Dalai Lama auf kritische Stimmen reagiert und wie er sich seine Nachfolge vorstellt, erzählt er Christine Maier in einem ausführlichen TV-Interview. Dieses ist Teil einer Diskussion im Club mit folgenden Gästen:
Manuel Bauer, Fotograf und langjähriger Begleiter des Dalai Lama
Lukas Niederberger, Theologe und Publizist
Georg Schmid, Emeritierter Titularprofessor für Religionswissenschaft
Wangpo Tethong, Tibetaktivist und Historiker
Tendon Dahortsang, Präsidentin Verein Tibeter Jugend in Europa
Literaturtipp:
Dalai Lama - Unterwegs für den Frieden. Seine Heiligkeit der 14. Dalai Lama.
von Manuel Bauer, Matthieu Ricard, Christian Schmidt
Verlagsgruppe Random House: DVA Deutsche Verlags-Anstalt, München
CLUB- Forum: Diskutieren Sie mit!
Wie erklären Sie sich die Faszination für den Dalai Lama? - Ihre Meinung interessiert uns. Diskutieren Sie mit anderen Zuschauern, unser Forum ist bis Mittwoch Mittag geöffnet. mehr
Aussagen aus der Sendung - Georg Schmid:
Wenn wir uns spirituell und religiös einlassen, ist es für viele Menschen wichtig, dass, das was ich vor mir habe tadellos ist. Also ich nicht noch kritisch darüber (über die jeweilige Religion) nachdenken muss. Das Christentum ist sattsam bekannt und wurde auch kritisiert. Der Buddhismus erscheint uns im gebildeten Westen deshalb als Idealreligion. In seinem Namen wurde noch nie Gewalt ausgeübt, sagt man. Das ist unser Projektionsbild.
Manuel Bauer:
Immer wenn etwas (Religion oder Philosophie) exotisch ist, ist man versucht, nur das positive zu sehen. Erst wenn man es vertieft sieht man hier „menschelt“ es . Auch in Tibet gibt es dies und jenes negatives. Vor dem Buddhismus als Philosophie habe ich grossen Respekt. Ich denke auch, es ist nicht sehr einfach zu konvertieren. Meine Prägung ist jedoch christlich - darum wäre es für mich schwierig zu wechseln. Ich wäre sicher zu Beginn ein sehr oberflächlicher Buddhist.
Lukas Niederberger:
Wir sind uns ja alle einig, dass man weder die eigne noch die fremde Religion sehr gut kennt. Dies habe ich auch auf meinen Reisen und im Gespräch mit Juden, Hindus etc. gemerkt. Ich frage mich, ist der Buddhismus attraktiver weil keine Gottheit dahinter steht? Macht das eine Religion oder eine Weisheitslehre interessanter wenn kein Gott, schon gar kein männlicher dahinter ist?
Wangpo Tethong:
Es gab im letzten Jahr, also 2008, einige Aufstände in Tibet und die Situation drohte zu kippen. Da sagte der Dalai Lama: „Wenn Ihr nicht aufhört, trete ich zurück.“ Er hätte auch sagen können, was wir statt dessen machen sollten. Er hätte Anleitungen geben können, um aktiver zu sein. Und das alles ist nicht passiert. Der Ansatz des konfrontativen Auftritts – ohne Gewalt - war meines Erachtens richtig. Aber bald mal hiess es von seiner Seite: „Das ist zuviel. Wir bekommen grosse Probleme mit den Chinesen.“
Tendon Dahortsang:
Ich befürworte das total, dass wir eines Tages einen Premierminister haben, der kein Mönch ist. Und ich bin absolut für eine Säkularisierung der tibetischen Exilregierung… Aber die Institution Dalai Lama gibt es ja schon seit Jahrhunderten. Ob es sie künftig noch weiterhin braucht, oder nicht, damit müssen wir uns auseinandersetzen. Für mich ist der Dalai Lama schon eine sehr wichtige Person.








