Archiv Sendung vom 27.04.2010
Bonjour, Grüezi, Hello? - Verstehen Sie Schweizerisch?
Der Genfer Nationalrat Antonio Hodgers will die Mundartsprache ganz in die Privatsphäre verbannen und das Hochdeutsche zur öffentlichen Sprache generell erheben. Das passt vielen Deutschschweizern nicht. Wie wichtig ist die Mundart für die Identität? Muss die einheitliche Landessprache neutral sein und soll gar das Englische - als geläufigste Fremdsprache - zur Amtssprache erhoben werden?
Unter der Leitung von Röbi Koller diskutieren:
Jean-Frédéric Jauslin, Direktor Bundesamt für Kultur BAK
Antonio Hodgers, Nationalrat Grüne/GE
Pedro Lenz, Schriftsteller und Mundartpoet
Peter Rothenbühler, Direktionsmitglied «Edipresse»
Ariane Gigon, Deutschschweiz-Korrespondentin «La Liberté», «Swissinfo»
Iwar Werlen, Sprachwissenschafter Universität Bern
Ausstrahlungen
Dienstag, 27, April 2010, 22.25 Uhr, SF 1
Mittwoch, 28 April 2010, 01.30 Uhr, SF 1
Mittwoch, 28. April 2010,11.00 Uhr, SF info
Donnerstag, 29. April 2010, 04.05 Uhr, SF 1
Donnerstag, 29. April 2010, 12.40 Uhr, SF info
Samstag, 05. Mai 2010, 14.05 Uhr, SF 1
Zitate
Aussagen aus der Sendung
Antonio Hodgers
zur Mundart:
"Die Mundart muss offiziell anerkannt werden, damit wir Welschschweizer wissen: Das ist eine Sprache, die wir lernen müssen. Wir sollten uns zudem ein einheitliches Schweizerdeutsch aneignen - und es wäre ideal, wenn wir in der Schweiz einen zweisprachigen Sender wie "Arte" hätten."
Jean-Frédérique Jauslin
zur Mehrsprachigkeit:
"Die Mehrsprachigkeit in der Schweiz ist eine riesige Chance. Wir profitieren aber leider nicht von der Möglichkeit, dass wir innerhalb von 20 Minuten in einem anderen Sprachgebiet sein könnten - und die Mundart ist nicht schwieriger zu verstehen und zu lernen, als das Deutsche."
Pedro Lenz
zum Hochdeutschen:
"Wir haben Komplexe, was das Hochdeutsche anbetrifft. Aber wenn ein Welscher darum bittet, dass man mit ihm Hochdeutsch spricht, ist es eine Frage des Anstands, das auch zu tun. Möglicherweise fällt man dann nach ein paar Minuten kurzfristig wieder in die Mundart zurück - das kann passieren."
Ariane Gigon
zum Erlernen einer Sprache:
"Die Schweizer sind stolz auf ihr spezielles Hochdeutsch. Ich selbst habe Kurse besucht, um Hemmungen, Deutsch zu sprechen, abzubauen. Es geht doch auch darum, Land und Leute kennen zu lernen sowie den anderen zu entdecken. Da gehört die Sprache dazu."
Peter Rothenbühler
zur Verbesserung der Kommunikation:
"Deutsch zu lernen ist sehr schwer. Ich glaube, dass wir deshalb die früheren Gepflogenheiten wieder aufnehmen sollten. Das heisst für die Welschschweizer, dass sie ein Zürich-Jahr oder ein Basel-Jahr einschalten sollten. Die Deutschschweizer sollten im Gegenzug wieder ein Welschland-Jahr machen. Das würde die Kommunikation verbessern."
Iwar Werlen
zum Erlernen der Mundart:
"Viele meinen, Mundart könne man nur, wenn man sie mit der Muttermilch eingesogen hat. Das stimmt nicht. Zwar gibt es kaum Lehrmittel für die Mundart, aber man kann einen Dialekt auch durch das Hören und Sprechen erlernen. Generell sollten wir in der gemeinsamen Kommunikation jeweils die Sprache verwenden, welche der jeweiligen Situation angemessen ist."










