Schweizer Pavillon
Das Bundesamt für Kultur hat auf Vorschlag der Eidgenössischen Kunstkommission die Künstler Thomas Hirschhorn und die Kuratorin Andrea Thal eingeladen, die Schweiz an der 54. Biennale di Venezia zu vertreten. Thomas Hirschhorn wird sein Werk „Crystal of resistance“ im Schweizer Pavillon zeigen, die von Andrea Thal ausgewählten KünstlerInnen sind unter dem Titel „Chewing the scenery“ im Teatro Fondamenta Nuove zu finden.
Thomas Hirschhorn
im Schweizer Pavillon in den Giardini di Castello vom 4. Juni - 27. November
Thomas Hirschhorn wurde 1957 in Bern geboren und wuchs in Davos auf. Seit 1984 lebt und arbeitet er in Paris. Er setzt sich immer wieder mit Themen aus seiner Heimat auseinander, obwohl er seit 26 Jahren nicht mehr dort wohnt. „Es ist doch ganz wichtig, eine Arbeit zu machen, die verwurzelt ist“, sagt er. Man müsse ungehorsam bleiben, in dem was man tut und ungezähmte Arbeiten machen. Hirschhorn schafft immer wieder neue Formen, oft aus billigem Alltagsmaterial. Die Rezeption seiner Kunst kümmert ihn dabei herzlich wenig: „Ich kann nicht ernstnehmen, was irgendwelche Leute über meine Arbeit sagen, ich, der jahrelang den ganzen Tag schafft.“
Widerstand als Kunstprinzip – Besuch bei Thomas Hirschhorn im Schweizer Pavillon
Noch bekannter als Thomas Hirschhorns Kunst ist – dem Skandal im Pariser Centre Culturel Suisse im Jahr 2004 geschuldet – sein Name und sein Ruf als Provokateur. Doch ein Besuch im Schweizer Pavillon an der Biennale Venedig zeigt, dass der Schweizer Künstler viel mehr zu bieten hat. Die schwindelerregende Installation namens «Crystal of Resistance» gibt einen unmittelbaren Einblick in Hirschhorns Gedankenwelt, in der Widerstand einen zentralen Platz einnimmt. Ein grosses Aufsehen dürfte damit dem Schweizer Pavillon garantiert sein.
Im Radio
Andrea Thal
Programm in und um das Teatro Fondamenta Nuove, Cannaregio 5013 vom 4. Juni - 2. Oktober
Andrea Thal wurde 1975 geboren. Sie studierte Fotografie und Bildende Kunst an der HGKZ und der Slade School of Fine Art in London. Seit 2006 führt und kuratiert sie den unabhängigen Kunstraum Les Complices* in Zürich.
Ein Song von Mary Ocher.
Das Video dazu auf Biennale Zeit.
5 Fragen an Andrea Thal
1. Warum ist der Prozess so wichtig im Gegensatz zum Resultat?
Vielleicht ist es vor allem wichtig die beiden nicht als Gegensätze zu verstehen. Die Fähigkeit des Prozess ist es ja gerade die strikte Trennung von „fertig“ und „unfertig“, von „Produktionsort“ und „Ausstellungsraum“ etwas aufzulösen.
2. Welche Erinnerung verbinden Sie mit der Biennale?
Sehr unterschiedliche, ich war einige Male dort aber nicht zu jeder Biennale. Irgendwie war mir die Stadt vorher nie so recht ans Herz gewachsen, was vor allem daran lag, dass sie so touristisch ist. Im Unterschied zu früher hab ich nun viel mehr mit Menschen die in der Stadt leben zu tun, da „Chewing the Scenery“ in einem Theater stattfindet und ich eng mit der Crew dort zusammenarbeite und wir zum Beispiel für die installative Dramatisierung von Tim Zulauf/KMUProduktionen immer wieder länger vor Ort waren und das ja auch noch sein werden, da ein_e Schauspieler_in während vier Monaten täglich live spielen wird. In diesem Sinne ist mir die Stadt nun viel näher als sie das früher war und ich lerne ganz andere Seiten kennen.
3. Inwiefern beeinflusst Zeitgeschehen ihre Arbeit?
Ich kann mir nicht vorstellen, dass das Zeitgeschehen keinen Einfluss auf meine Arbeit hat. Da ich die Kunst nicht als einen von anderen Bereichen des Lebens - und somit auch von den Zeitgeschehnissen - getrennten Bereich betrachte, ist das eine Selbstverständlichkeit.
4. Was muss Kunst nicht leisten?
„leisten müssen“ klingt nach einem Auftrag, einer Funktion, die Kunst zu erfüllen hat. Kunst sollte auf keinen Fall solchen scheinbar klaren „Leistungsaufträgen“ unterstellt werden, weil es ja gerade ihr Fähigkeit sein könnte solche Kategorien in Frage zu stellen.
5. Was haben sie unmittelbar nachdem Sie erfahren haben, dass Sie zur Biennale eingeladen sind getan?
nachgedacht












