Jeanne (Johanna) Natalie Wintsch
1885 starb ihr Vater an Paralyse in der Zürcher Klinik Burghölzli. Die Mutter zieht mit der kleinen Jeanne und deren zwei jüngeren Brüdern nach Lausanne, wo sie als Weissnäherin die Familie ernährt. Die Tochter muss schon mit vierzehn mit Klavierstunden und französischem Hilfsunterricht Schule und Studium ihrer Brüder finanzieren. Jeanne Natalie Wintsch steht im Dienst der Familie, versorgt die altersterroristische Mutter und heiratet nie. 1917 fängt sie an, Stimmen zu hören und sieht die Mutter als Teufel an. Daraufhin bringen die Brüder Jeanne in eine Privatklinik, dann in die Lausanner Anstalt Cery und in Landpflege mit der Diagnose: „Incurable“. 1922 kehrt sie heim, ist zornig gegen die Mutter und die Vormundschaft des Bruders. Sie wird später eurneut eingewiesen. Im Burghölzli, bleibt sie die Unruhestifterin und ergreift Partei für ihre Mitpatientinnen. Schon in der Privatklinik beginnt Wintsch zu sticken. "In drei Monaten breitete sie ihr Reich der Zeichen über ein Dutzend leuchtend bunter Tücher. Sie verstickte Buchstaben, Wörter, Satzfragmente, formte, fügte und konstruierte, liess geheime Zeichen fallen und Arabesken tanzen. Jeanne Wintsch wurde in der Anstalt zur Schrift- und Stickkünstlerin“ (Bettina Brand-Claussen). Mit Vorliebe widmet sie ihre kostbaren Stickereien den Ärzten, von denen ihr Schicksal abhängt. Klinikdirektoren (Dr. Mahaim, Cery; Prof. Bleuler, Burghölzli; Dr. Ris, Rheinau) verdammt sie als Teufel. Der junge Rheinauer Assistenzarzt Oscar E. Pfister ist beeindruckt und würdigt die künstlerische Ausdruckskraft der Patientin. Mit seiner Unterstützung wird Wintsch 1925 von den „Unheilbaren“ in die Freiheit entlassen. Nach Lausanne zurückgekehrt, arbeitet sie als Klavier- und Sticklehrerin. Sie stirbt 1944, nach kurzem Aufenthalt, in Cery an Tuberkulose. Noch 1968 begründet Pfister ihre „Spontanheilung“ mit der „intensiven bildlichen Betätigung und Auseinandersetzung mit ihren Wahninhalten“.
Quelle: Katrin Luchsinger, ZHdK über Jeanne Natalie Wintsch
Geschichte der Strickkunst
In den Kantonen St. Gallen und Appenzell, die weltweit für ihre Textilproduktion berühmt sind, finden an verschiedenen Orten Ausstellungen über Strick- und Stickkunst statt. Darunter auch Stickereien der Künstlerin Nathalie Wintsch. Tagesschau vom 10.9.2010.



