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Gedanken zur Serie

(Otto C. Honegger)

Otto C. Honegger

Im Höhenrausch

(Manuel Bauer)

Mit dem Helikopter in Nepal unterwegs zu sein, war für mich und meine Kollegen ein einmaliges Erlebnis. Wir gelangten so unverhofft an Orte, die man sonst nur nach wochenlangen Märschen erreicht. Wir tauchten unvermittelt ein in eine mittelalterliche, ländliche Welt, völlig abseits von jeglicher Zivilisation, um am Abend wieder zurückzukehren in die von Autos überfüllte Grosstadt Kathmandu. Dieser Gegensatz war extrem und ich habe mich immer wieder gefragt, ob ich nicht träume.

Ich kannte bisher die Welt der Achttausender nur als Trekker oder Bergsteiger und erlebte sie so sehr intensiv. Aber in diesen Bergen zu fliegen ist nochmals etwas ganz anderes. Ich habe die Flüge mit dem Helikopter in dieser Bergwelt besonders genossen.  In nur wenigen Minuten flogen wir über Pfade, die ich Jahre zuvor in vielen Tagesmärschen mühselig zurückgelegt hatte. Erinnerungen wurden wach, als wir über das Kloster von Tengboche flogen, ein Wahrzeichen des Everestgebietes.

(SRF)

Die atemberaubendsten Flüge waren aber jene in grosser Höhe. So flog ich zum Beispiel zusammen mit dem Zermatter Piloten Gerold Biner ins Tal des Schweigens am Everest und erlebte den zerklüfteten Khumbu Eisfall, den ich monatelang bei unserem Sherpadreh vom Basecamp aus studiert hatte, von oben wie einen zerfurchten weissen Teppich. Unten krochen zahlreiche westliche Bergsteiger und Sherpas wie Ameisen durch die Eiswüste. Und wie wir seit unserem Sherpafilm wissen, verlassen sich alle auf den Pfad und die vielen Leitern, welche die Eisfalldoktoren zuvor in mühseliger Arbeit ins Eis gerammt hatten. Wir dagegen schwebten schwerelos darüber und konnten nur staunen und die Landschaft geniessen.

(Manuel Bauer)

Wenn unsere teure Cineflex-Kamera gerade mal wieder streikte, war es an mir, die packenden Szenen in der Luft mit der kleineren Video-Kamera einzufangen. Mit offener Türe sass ich dann in der Kälte und versuchte mich in dieser umwerfenden Berglandschaft zurecht zu finden. Ich blickte durch den Sucher und konzentrierte mich auf winzig kleine Sachen, wie etwa auf Zelte am Boden oder den zweiten Heli, bevor dieser tief unten zur Landung im Lager 2 auf 6400 m ansetzte oder durchs Tal des Schweigens flog. 

Natürlich mussten Belichtung und Schärfe immer stimmen, sonst wäre mein Kollege Frank nicht zufrieden gewesen. Sobald der Abstand zum anderen Helikopter, der gefilmt werden sollte, grösser wurde, war das schwierig, denn er verschwand dann in der gewaltigen Bergwelt. Dennoch gelang mir das recht gut und die Bilder bleiben mir in ewiger Erinnerung. Die Höhe spürte ich natürlich auch im Helikopter. Ich atmete dann wie die Piloten Sauerstoff aus einem Nasenröhrchen, aber ab und zu war der Fahrtwind so stark, dass ich nicht wusste wie viel Sauerstoff meine Lungen wirklich erreichte. Meine Augen tränten, die Kälte kroch mir in die Glieder und ich musste stets die Kamera ruhig halten. Aber irgendwie schaffte ich es und über Funk hielt mich jeweils mein Pilot auf dem Laufenden. Sowohl die Piloten aus der Schweiz wie auch jene aus Nepal gingen in ihrem Job richtiggehend auf und sie strahlten Ruhe und gleichzeitig  Begeisterung aus, die ansteckte. Auch ihnen machte es riesig Spass, mit ihren Maschinen um diese gewaltigen Berge zu kurven.

(Manuel Bauer)

In der Höhe erreichte aber auch der  Helikopter seine Grenzen und ich spürte, dass er oft nicht mehr sehr stabil flog.

Als Taucher kenne ich den Tiefenrausch, aber da oben in den Höhen des Himalayas kann man ähnliche Rauschgefühle erleben. Als ich mit dem Zermatter Gerold Biner über den Khumbu-Eisfall runterkurvte, war es schlicht umwerfend, ja fast berauschend. Ein anderes Mal, nach einem Einsatz am Manaslu, glitten wir beim Runterfliegen so tief über die Eisabbrüche, dass diese beinahe den Helikopter streiften. Wie knapp das wirklich war, sahen wir erst später auf dem Video.

Was ist von alledem im Film  zu spüren? Ich hoffe einiges, denn wir versuchten den Traum der Bergrettung im Himalaya so wirklichkeitsnah wie möglich einzufangen: mit allen Höhen und Tiefen, mit den positiven aber auch den negativen Seiten. Wir erlebten viele aufregende Momente. Wir spürten aber auch die Nähe des Todes, wenn steif gefrorene Leichen in den Helikopter geladen wurden, ein Bergsteigertraum der als Alptraum endete.