Über die DOK-Serie
Die Produzentin über die DOK-Serie
Als ich für die Produktion der Serie über Assistenzärzte angefragt wurde, reizte mich sofort die spannende Thematik. Junge Menschen mit einem herausfordernden Beruf, die Tag für Tag wichtige Entscheidungen treffen müssen. Dazu kommt ein sich in historischem Wandel befindendes Umfeld der Gesundheitspolitik, bei der die Oekonomie einen immer wichtigeren Stellenwert einnimmt.
Beim zweiten Gedanken schlich sich eine gewisse Skepsis ein: Wird es möglich sein, die Arbeitsrealität der jungen Ärztinnen und Ärzte abzubilden? Heikle Eingriffe, bei denen der Stresspegel durch die Anwesenheit eines Kamerateams zusätzlich erhöht werden kann, immer anspruchsvollere Leitlinien betr. Personen- und Patientenrechten und eine hohe Präsenzzeit erschienen mir nicht gerade ideale Voraussetzungen für eine fünfteilige Dokuserie.
Und doch: Unser Team fand im Spital Interlaken ein offenes Haus, das sich bereit erklärte, uns für einen knappen Monat uneingeschränkten Zugang zu allen Arbeitsbereichen der AssistenzärztInnen zu gewähren. Dazu kam, dass es in einer prächtigen Landschaft eingebettet ist, die Touristen aus aller Welt anzieht. Ein weiteres Argument war die nahegelegene Rega-Basis, in der einer der Assistenzärzte Rettungs-Einsätze begleitete, die Spannung versprachen
Am 1. Juni starteten wir mit den Dreharbeiten. Im Vorfeld hatten wir uns entschlossen, sechs AssistenzärztInnen, die sich in unterschiedlichen Stadien ihrer Ausbildung zum Facharzt befinden und eine Unterassistentin zu begleiten. Schon am ersten Drehtag realisierten wir, dass Tagesabläufe da sind, um verworfen zu werden. Bald folgten die ReporterInnen Regina Buol, Denise Schneitter und Kurt Frischknecht den Protagonisten im Sauseschritt in Operationssäle, auf Visite und in Rapporte, nahmen teil an Weiterbildungen morgens um sieben und sahen ihnen beim Papierkrieg spätabends über die Schultern. Wir teilten mit ihnen den täglichen Druck einer hohen Arbeitsbelastung und waren dabei, wenn es galt, heikle Entscheidungen, zu treffen oder Patienten und ihren Angehörigen schwierige Nachrichten zu überbringen.
Wir wurden aber auch Zeuge von freudigen Momenten wie Geburten und guten Heilungsverläufen, bei denen der Patient nach komplizierten Eingriffen wieder aus dem Spital entlassen wurde. Immer wieder galt es aber bei den Fernsehmachenden gewisse Schranken zu überwinden. Wenn Eingriffe allzu blutig, oder Schicksale allzu ergreifend waren, musste schon mal der eine oder die andere tief durchatmen.
Und die Thematik hinterliess Spuren. So diskutierten wir bei gemeinsamen Team-Essen immer wieder Themen wie Organtransplantation, End-of-Life-Care oder Patientenverfügung. Mit jedem gemeinsamen Erlebnis wuchs das Vertrauen zwischen den jungen AerztInnen und unserer Crew und das gegenseitige Verständnis für die Bedürfnisse des Gegenübers. Allmählich wurde so auch ein privaterer Einblick möglich. Wir erfahren, wie es Véronique als Mutter von zwei kleinen Kindern gelingt, mit der Doppelbelastung fertig zu werden, wie Matthias mit Selbstzweifeln umgeht, oder Christoph mit einem Todesfall auf seiner Abteilung fertig werden muss.
Nach dreieinhalb Wochen Drehzeit blieben uns beinah 150 Stunden Material, in denen wir uns dank der Begleitung des erfahrenen DOK-Serien-Cutters Angelo Prinz nicht heillos verloren und die Hochachtung gegenüber den JungmedizinerInnen, die sich mit Herzblut, Begeisterung und Feingefühl in ihrem Job engagieren.
Das Fazit: Wir vom SF-DOK-Team werden ein Spital wohl nie mehr mit demselben Gefühl betreten, wie vor diesen ereignisreichen Drehtagen im Spital Interlaken.








