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Buch-Tipps

Volkmar Braunbehrens: «Mozart in Wien»

Eine umfassende Beschreibung von Mozarts letztem Lebensjahrzehnt, welches der Ausnahmekomponist als freier Künstler in der Residenzstadt Wien verbrachte und in dem unter anderem auch «Die Zauberflöte» enstand. Anhand zahlreicher Originalquellen und eines profunden Blicks für den sozialgeschichtlichen Hintergrund zeichnet Volkmar Braunbehrens ein überaus lebendiges Bild des Komponisten. Dieses setzt er auf unterhaltsame Weise allen Gerüchten, Fehlinterpretationen und romantischen Legenden entgegen, die sich bis heute um das Leben Mozarts ranken.

Volkmar Braunbehrens: Mozart in Wien.
Piper Verlag (1986, Neuauflage 2006)

Maynard Solomon: «Mozart. Ein Leben»

Ein stattliches Buch von mehr als 600 Seiten, das 1995 erstmals in englischer Sprache erschienen ist. Ausführlich berichtet Solomon über Kindheitstage, Mozarts schillernden Charakter, seine Lebensumstände, sein Verhältnis zum Vater, sein musikalisches Schaffen und Sterben in Wien. Eine ausserordentlich spannende und lebendig geschriebene Biografie, die ein menschlich bewegendes Porträt Mozarts zeichnet und interessante Einblicke in seine Zeit gewährt.

Maynard Solomon: Mozart. Ein Leben.
J.B. Metzler Verlag (2005)

Urs Frauchiger: «Mein Mozart. Essays»

In seinem mit Essays und Werkbetrachtungen prall gefüllten Mozart-Buch wirft der Musiker und passionierte Kulturvermittler Urs Frauchiger einen ganz persönlichen Blick auf den Jahrhundertkomponisten. Entstanden ist eine Hommage ohne jeglichen Mystizismus und falscher Heldenverehrung, in dem Frauchiger so manches Klischee feinsinnig entlarvt und seine Bewunderung für Mozart zu einem unterhaltsamen Lesevergnügen werden lässt.

Urs Frauchiger: Mein Mozart. Essays
Verlag Huber Frauenfeld (2005)

CD-Tipps

Claudio Abbado (2005)

Spät erst hat er wirklich zu Mozart gefunden – jetzt aber mit einer Eindringlichkeit, die dem viel gespielten Werk neue Töne und neue musikalische Einsichten abgewinnt. Von den «authentisch» orientierten Interpreten übernimmt Abbado die schnellen Tempi – sein Mozart ist interpretatorisch ganz auf der Höhe unserer Zeit. Mozarts Musik gleichsam als menschliche Klänge aus Fleisch und Blut – so spannend, so kurzweilig und lebendig kann die «Zauberflöte» sein. Grossartige Sänger – Hanno Müller-Brachmann als Papageno, René Pape als wohl unübertrefflicher Sarastro, Dorothea Röschmann als anmutig lyrische Pamina – zeugen ebenfalls vom hohen künstlerischen Niveau dieser Gesamteinspielung.

Claudio Abbado (Dirigent). Dorothea Röschmann, Erika Miklósa, Christoph Strehl, René Pape, Hanno Müller-Brachmann. Arnold Schönberg Chor, Mahler Chamber Orchestra. Deutsche Grammophon.

Nikolaus Harnoncourt (1988)

Revolution wollte er nie machen – aber Nikolaus Harnoncourt löste eine Revolution aus. Seine Wirkung auf das Musikleben, das Interpretieren Alter Musik auf Originalinstrumenten hat eine neue Ära begründet. Das zeigt sich auch bei seinem Mozart und zeigte sich vor allem bei seinen Mozart-Produktionen am Zürcher Opernhaus – alles andere als einer, der nur dem apollinischen Wohlklang schmeichelt. Harnoncourts Mozart hat Biss, seine «Zauberflöte» ist lebendiges Musiktheater; und der Vehemenz, mit der er seine interpretatorischen Direktiven durchsetzt, kann man sich kaum entziehen. Vorzügliche Sänger – Edita Gruberova setzt dem Ganzen als Königin der Nacht das i-Pünktchen auf –, und das Orchester der Oper Zürich, das gleichsam für authentischen Originalklang in Sachen Harnoncourt garantiert. Anstelle von gesprochenen Dialogen erzählt Gertraud Jesserer in etwas märchentonlastigen Zwischentexten die wundersamen Begebenheiten der «Zauberflöte».

Nikolaus Harnoncourt (Dirigent). Edita Gruberova, Barbara Bonney, Matti Salminen, Hans-Peter Blochwitz, Anton Scharinger. Chor und Orchester des Opernhauses Zürich. Teldec.

Karl Böhm (1964)

Karl Böhm galt als der grosse Mozart-Spezialist seiner Zeit. Und für seine «Zauberflöten»-Einspielung sollte nur das Beste gut genug sein. So wirken hier die Berliner Philharmoniker zum ersten Mal überhaupt in einer Operngesamtaufnahme mit. Und sie hat mit Fritz Wunderlich, dem tragisch früh verstorbenen Startenor, zweifellos den besten Tamino der Schallplattengeschichte. Dietrich Fischer-Dieskau ist zum zweiten Mal als Papageno mit dabei, allerdings nicht mehr ganz so überzeugend wie 1954 unter Fricsay. Franz Crass singt einen noblen Sarastro; Roberta Peters, dem Koloraturstar der Metropolitan Oper New York, merkt man hingegen viel Anstrengung an. Und auch Evelyn Lear als Pamina vermag sich nicht wirklich in die Herzen der Zuhörer zu singen.

Karl Böhm (Dirigent). Evelyn Lear, Roberta Peters, Lisa Otto, Fritz Wunderlich, Dietrich Fischer-Dieskau, Franz Crass, Hans Hotter. Berliner Philharmoniker. Deutsche Grammophon.

Otto Klemperer (1963)

Otto Klemperer, der «grosse Alte» unter Deutschlands bedeutenden Dirigenten, dirigierte seine erste «Zauberflöte» 1929. Seine Mozart-Deutung hat eherne Grösse, ist von tiefem Ernst getragen und begeistert durch ein besonders strukturbetontes Musizieren, welches jegliche Oberflächenschönfärberei konsequent meidet. Ungewohnt breite Tempi unterstreichen den Ernst von Klemperers singulärem Musizieren. Zudem liest sich seine Sängerbesetzung wie ein Who is who der damals berühmtesten Stars: Gottlob Frick, Nicolai Gedda, Elisabeth Schwarzkopf, Christa Ludwig, Lucia Popp, Gundula Janowitz, Marga Höffgen, Franz Crass. Allerdings, auf die gesprochenen Zwischendialoge muss man ganz verzichten: Klemperer begnügt sich mit Mozarts Musik.

Otto Klemperer (Dirigent). Nicolai Gedda, Gundula Janowitz, Walter Berry, Lucia Popp, Gottlob Frick, Elisabeth Schwarzkopf, Christa Ludwig, Marga Höffgen, Franz Crass. Philharmonia Orchestra & Chorus. EMI.

Ferenc Fricsay (1954)

Es ist nicht nur eine der ersten «Zauberflöten»-LP-Einspielungen, sondern eine, die besonders Furore machte: Ferenc Fricsay, als Mozart-Interpret besonders gefeiert, machte Schluss mit dem philharmonischen Breitleinwand-Sound, reduzierte die Orchesterbesetzung und musizierte einen besonders klarsichtig-transparenten, ungemein vitalen Mozart. Eindrücklich zum Teil auch die Sängerbesetzung: Dietrich Fischer-Dieskau als Papageno (eine Rolle, die er nie auf der Bühne gesungen hat, die ihm hier aber, vor dem Mikrofon, perfekt gelingt), Rita Streich als sternflammende Königin der Nacht und vor allem Maria Stader, damals die Mozart-Sängerin par excellence, als anrührende Pamina. Die Dialoge werden nicht von den Sängern selbst, sondern von Schauspielern gesprochen.

Ferenc Fricsay (Dirigent). Rita Streich, Maria Stader, Ernst Haefliger, Dietrich Fischer-Dieskau. RIAS Symphonie-Orchester Berlin. Deutsche Grammophon.