Das Ende von Präsident Mubarak
Freudenschreie hallen durch Kairo, als Vizepräsident Omar Suleiman am 18. Februar 2011 den Rücktritt Hosni Mubaraks verkündet. 18 Tage lang hatten Hunderttausende Menschen lautstark gegen das restriktive Mubarak-Regime demonstriert.
Ein Militärrat übernimmt die Macht und kündigt freie Parlamentswahlen an. Die ersten seit 30 Jahren. Das Volk vertraut der Armee. Doch der Euphorie folgt schnell die Ernüchterung.
Der Euphorie folgt die Ernüchterung
Der Militärrat zeigt sich nicht weniger restriktiv als die Mubarak-Regierung, Proteste und Streiks werden verboten. Die alten Machthaber werden nur halbherzig zur Verantwortung gezogen. Stattdessen stehen in den ersten sechs Monaten über 10.000 Demonstranten vor dem Militärtribunalen. Sie werden in Schnellgerichten verurteilt, ohne Verteidigung.
Dringend notwendige wirtschaftliche Reformen werden vertagt, weil sie unpopulär sind. Dabei geht es vielen Ägypter noch schlechter als vor der Revolution: Zu den fehlenden Jobs kommt nun der ausbleibende Tourismus. Bald ziehen erneut Demonstranten auf den Tahrir-Platz.
Weg mit der Militärregierung
Wieder protestieren Hunderttausende, diesmal skandieren sie „Weg mit der Militärregierung“. Doch die Einheit der ersten Demonstrationen gibt es nicht mehr. Die alten Fehden zwischen Muslimen und Christen brechen in blutigen Angriffen auf. Statt einzugreifen, heizt die Armee die Konflikte an.
Ab Oktober kommt es zu immer heftigeren Strassenschlachten. Die Armee, einst Verbündete der Demonstranten, geht nun brutal gegen sie vor. Tote werden zur Regel. Fast fallen die Wahlen den Unruhen zum Opfer.
Sieg der Islamisten
Vom 28. November bis 6. Januar gehen viele Ägpter das erste Mal in ihrem Leben wählen. Die Wahlbeteiligung ist enorm. In einem höchst komplizierten Verfahren wird ein Parlament gewählt, dass anschliessend eine Verfassung erarbeiten soll.
Wahlsieger sind die Islamisten. Liberale und säkulare Gruppen, die massgeblich zum Sturz Mubaraks beigetragen haben, spielen nur eine marginale Rolle. Für viele Demonstranten ist das eine Niederlage. Viele fürchten den Islam in der Politik und niemand kennt die genaue Positionierung der neuen Regierung. Wann Ruhe im Land einkehrt, bleibt ungewiss.